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Mein amerikanisches Tagebuch (48)

15. April 2019

Ich breche heute auf in die Appalachen Gold suchen. Wenn ihr nichts weiter von mir hört, habe ich wahrscheinlich welches gefunden und will bloß nicht teilen.

Tipp für heute: Gold hat viele Namen.

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Mein amerikanisches Tagebuch (47)

14. April 2019

Jocelyn hat gestern den ‚Goldenen Turnschuh‘ gewonnen, keine Ahnung für was. Hatte sicher mit Sport zu tun. Hätte ich gewusst, dass es diesen ‚Goldenen Turnschuh‘ da zu gewinnen gibt, hätte ich sicher mitgemacht, egal um welche Sportart es sich gehandelt hätte, Klimmziehen, Schach, Lacrosse, denn ich benötige dringend einen ‚Goldenen Turnschuh‘. Oder sagen wir besser, ich brauche überhaupt einen Schuh. Mir ist nämlich aufgefallen, dass bei meinem mal wieder die Sohle gebrochen ist. Scheiß Doc Martens! Ist jetzt schon das vierte Paar Doc Martens wo mir das so passiert. Sohlen können die irgendwie nicht. Oder laufe ich vielleicht falsch? Knicke ich meinen Fuß zu sehr?

Heute: Berlin, Roter Salon der Volksbühne, 20 Uhr: Reformbühne Heim & Welt mit Jakob Hein, Falko Hennig, Satan und Jürgen Witte, sowie den unbeugsamen Superstargästen Rene Marik (Puppenspieler-Superheld) und Jana Berwig (Goldene Stimme von Prenzlauer Berg)

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Mein amerikanisches Tagebuch (46)

13. April 2019

Die amerikanischen Brombeerpflanzen sind voll fies. Man schürft sich an ihren Stacheln nicht nur die Haut auf, sondern die Pflanze wirft ihre Stacheln direkt ab, also quasi dir hinterher, wenn man sich nicht gerade abduckt oder flink wie ein Wiesel das Weite sucht. Jedenfalls hatte ich ganz viele Stacheln in meiner Hose drin, weil ich nicht weggerannt bin, sondern der Pflanze wie ein Mann die Stirn bot. Trotzdem, glaube ich, hat sie gewonnen. Außerdem die Zecken, ja, die sind hier doppelt so groß und aus der Luft pullern dich Geier voll und extrem gemein sind auch diese grauen Eichhörnchen. Die haben hier in den USA nämlich die ganzen roten Eichhörnchen bereits verdrängt. Es gibt kein einziges rotes Eichhörnchen mehr! Es gibt nur noch graue Eichhörnchen! Die tun immer so niedlich, aber besser wäre es man würde sie alle erschießen. Das klingt zwar brutal, ist es ja im Prinzip auch, aber vielleicht kommen dann die roten Eichhörnchen wieder zurück?

Tipp für heute: Den Lockruf eines weiblichen roten Eichhörnchens imitieren lernen.

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Mein amerikanisches Tagebuch (45)

12. April 2019

Was ich irgendwie gruselig finde, in den USA scheint einfach nichts schlecht zu werden. Vielleicht gibt es hier keine Bakterien oder Keime oder Pilze oder Atome? Jedenfalls habe ich eine Plasteschachtel Humus seit mehr als vier Wochen bei mir im Kühlschrank zu liegen und sie riecht wie am ersten Tage. Milch lagere ich seit drei Wochen, nicht der geringste Stich. Der Apfel liegt auch schon seit Ende Februar auf meinem Tisch. Den würde ich im Laden sofort kaufen, wenn er so aussähe. Kann es sein, dass hier sämtlichen Pflanzen und Tieren bereits Konservierungsstoffe in ihre Genketten implantiert worden sind? Ich weiß, mir wird sowieso niemand antworten. Die stecken nämlich alle unter einer Decke.

Tipp für heute: Nur im Flüsterton weiter sagen.

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Mein amerikanisches Tagebuch (44)

11. April 2019

Die großen Insekten, die hier sofort massenhaft auftauchen wenn es warm und sonnig ist und die wie eine Mischung aus Bienen und Hummeln aussehen, sollen Wespen sein. Verrückt! Wahrscheinlich sind die Vögel, die am häufigsten auf den wie Wäscheleinen aussehenden Stromkabeln sitzen und die ich als Spatzen bezeichnet hätte, Stare und die wie Stare aussehenden Gesellinnen mit dem munteren Mundwerk, Spatzen oder gar Adler. Man muss hier auf alles gefasst sein. Gestern war ich im Gefängnis gewesen. Zumindest im Vorraum eines Gefängnisses, im Cumberland County Prison, in der East High Street. Ein sehr schönes Gebäude, wo man sicherlich gerne eingesperrt wird. Ich glaube, es ist gleich nach den Kirchen hier erbaut worden, noch vor dem ersten Wohnhaus. Erst mal Kirchen, Gefängnis, Tankstelle, dann kann man auch Leute herziehen lassen, haben sich bestimmt die Stadtplanerinnen gedacht. Ist euch schon mal aufgefallen, dass ich in jüngster Zeit häufiger mal nur die weibliche Form verwende, für geschlechterübergreifende Bezeichnungen? Das gefällt mir nämlich sehr viel besser, als immer beide Formen zu verwenden oder das Binnen-I oder das Sternchen. Im Mündlichen könnte man Letztgenanntere ja sowieso nicht benutzen. Mir wäre es auch völlig egal, wenn nur die weibliche Variante genommen werden würde, daran gewöhnt man sich und irgendwann denkt man gar nicht mehr darüber nach. Ich glaube ja, im Gegensatz zu vielen anderen, auch nicht, dass die Sprache unsere Gedanken beeinflusst. Umgekehrt wird ein Schuh draus. Unsere Gedanken beeinflussen, zumindest meiner Meinung nach, die Sprache. Wenn ich denke, dass ein dunkelhäutiger Mensch weniger wert ist als ein hellhäutiger, dann ist es völlig egal, wie ich ihn nenne, Neger, Schwarzer oder Afroamerikaner (-deutscher etc. pp), eher früher als später wird dann jeder dieser Begriffe zu einem Schimpfwort mutieren. Darum halte ich die Strategie der Lesben und Schwulen für die erfolgreichere. Keine Sprachflucht, sondern eine Rückeroberung der Sprache, indem man die Gedanken verändert. Verändert man die Gedanken, verändert man in der Folge nämlich auch die gesellschaftliche Realität und darum sollte es doch gehen.

Tipp für heute: Und jetzt alle so: „Yeah!“

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Mein amerikanisches Tagebuch (43)

10. April 2019

Da ich heute Nacht nicht schlafen konnte, das Alter, ja ja, hatte ich schön viel Zeit über dieses und jenes nachzugrübeln. Ich habe mir zum Beispiel überlegt, wenn mein längeres Werk, an dem ich hier gerade arbeite, kein Erfolg werden sollte, davon gehe ich natürlich nicht aus, aber man sollte auf alles vorbereitet sein, dann bringe ich endlich einen Ratgeber heraus. Und zwar einen Ratgeber für Menschen, die das Pech haben blödsinnige Interview-Fragen, welche in Sportmoderatoren-Kauderwelsch gehalten sind a la: „Wie sehr haben sie sich über den Friedensnobelpreis gefreut?“, beantworten zu müssen. Eine mögliche Variante: „Wenn sie meine Antwort tatsächlich interessieren würde, hätten sie eine andere Frage gestellt.“

Tipp für heute: Den Tag zur Nacht machen.

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Mein amerikanisches Tagebuch (42)

9. April 2019

Das ist doch mal ein Tagesbeginn. Wäsche gewaschen, Staub gesaugt, dann einen Kaffee und dann eine Online-Petition unterzeichnet. Meine allererste Online-Petition, die ich je unterzeichnet habe. Und dabei ist sie nicht mal irgendwie originell. Sie fordert weder die Abschaffung von Münzgeld, noch die Abschaffung von Geld allgemein. Ich schreibe hier auch gar nicht hin, was sie überhaupt fordert. Keine Lust. Stattdessen schreibe ich, dass ich mir vorgenommen habe, einmal an einem Battle-Rap teilzunehmen und dort dann dem Gegner nur nette Sachen an den Kopf zu werfen, fulminant gereimt natürlich, Ehrensache.

Tipp für heute: „Wenn du rappst freut sich die Gemeinde, du bist so klug, du hast gar keine Feinde, du bist so schön, ich möchte dich berühren, doch es gucken welche zu, das tät mich irritieren.“

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Mein amerikanisches Tagebuch (41)

8. April 2019

Ich habe noch eine Möglichkeit entdeckt, wie man hier sein Münzgeld loswerden kann. Man geht einfach in eine der vielen Kirchen und steckt es da in die Kollekte. Es gibt hier wirklich für alles und jeden eine Kirche. United church of christ, Methodisten, Anglikaner, Baptisten, Lutherianer, Katholiken, selbst wenn man nicht an Gott glauben sollte, haben sie auch dafür eine Kirche. Ja! Dort war ich am Sonntag gewesen, habe mich mitnehmen lassen, zu den Unitariern. Bei den Unitariern gibt es alles, was die Kirche normalerweise bietet, also Rituale, Predigten, Singen, Kerzen, nur eben tut man das nicht für Gott oder wegen Gott, sondern einfach so. Man kann sogar beten. Man steht auf, nimmt aus einem Beutelchen einen Stein, geht nach vorne und wirft den, nein, niemanden an den Kopf, sondern in eine Schale und dabei kann man sich dann etwas denken oder etwas sagen, was einem im Innersten so drängt. Die Unitarier sind für alle offen, ob gläubig oder nicht, hetero- oder homosexuell, farbig oder durchsichtig. Ich fand es trotzdem befremdlich. Irgendwie ist das nicht so mein Ding. Vorne steht jemand und erzählt dir was vom Stapel und alle anderen lauschen andächtig und dann stehen alle auf und fassen sich bei den Händen. Na ja. Aber für die, die es brauchen, ist es anscheinend eine gute Sache. Und Kaffee gibt es umsonst. Und Kuchen. Und, wie gesagt, man kann sein Münzgeld in die Kollekte schmeißen.

Tipp für heute: Lächeln.

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Mein amerikanisches Tagebuch (40)

7. April 2019

Man fragt sich ja als Ausländer, was man eigentlich mit dem ganzen Münzgeld machen soll, welches man bei Barzahlung in den USA heraus gegeben bekommt, die Cent-, die 5-Cent-, die 10-Cent- und die 25-Cent- (oder auch Quarter-Dollar) Münzen. Die kann man ja nie abgezählt bei einem Einkauf bereit halten, weil man ja nie weiß, wieviel etwas kostet, weil ja immer noch irgend welche Steuern drauf geschlagen werden. Und wenn man kein Autofahrer ist, benötigt man auch keine Parkuhren, in denen man dieses Zeug entsorgen könnte und Telefonzellen, die es hier tatsächlich noch gibt, machen bei mir ebenfalls keinen Sinn und Bettler habe ich auch noch nicht entdeckt. Aber etwas anderes habe ich entdeckt. Die Fenster öffnet man hierzulande ja meist von unten nach oben, also man schiebt die Scheibe so hoch und eigentlich sollte sie dann, wenn man loslässt, auch dort verweilen, wo sie hingeschoben wurde. Tut sie aber natürlich nicht, da das Ganze, durch den Abrieb, nur selten noch wie gewünscht funktioniert, sondern rast direkt wieder nach unten. Außer, und jetzt kommt ’s, wenn man eine Münze zwischen den Rahmen der Scheibe und den äußeren Fensterrahmen steckt und da muss man dann eben experimentieren. Das ist bei jedem Fenster anders. Mal reicht eine Cent-Münze. Mal benötigt man sogar einen Quarter-Dollar. Mit Papier oder Pappe zumindest hatte ich keinen Erfolg.

Heute: Berlin, Roter Salon der Volksbühne, 20 Uhr: Reformbühne Heim & Welt mit Jakob Hein, Falko Hennig, Heiko Werning, Satan und Jürgen Witte, sowie den kreuzfidelen Superstargästen Isabelle Eggler (Schweiz) und The Incredible Herrengedeck (Berliner-Chanson-Punk)

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Mein amerikanisches Tagebuch (39)

6. April 2019

Vier Schlafsäcke, drei Stirnlampen, einen Rucksack und ein Erste-Hilfe-Päckchen habe ich am Dickinson-College ausgeliehen. Warum? Einfach, weil man es machen kann. Mal sehen. Vielleicht fällt mir ja ein, was ich damit so anstelle. Eine Kunst-Installation?

Gestern eine Diskussion über Genmanipulation geführt, bei welcher ich vehement der unbeschränkten Forschung das Wort redete. Vielleicht etwas zu hitzig. Nein, mit Sicherheit zu hitzig. Ich halte es für eine gesellschaftliche Aufgabe zu entscheiden was wann wo und wie angewendet werden darf. Die Forschung aber einzuschränken, bringt meiner Meinung nach nichts. Was erforscht werden kann, wird auch erforscht werden und das ist auch gut so. Ich denke übrigens, es wird irgendwann einmal völlig normal, dass am menschlichen Erbgut herum manipuliert wird, zum Vorteil des Einzelnen und unserer Art. Dass es zuvor sicherlich auch zu katastrophalen Folgen kommen kann, will ich nicht ausschließen. Die hat es in der Medizin auch bei früheren Entwicklungen, man denke nur an die Bakteriologie und das Mittel Tuberkulin oder an den Contergan-Skandal, gegeben. Die Folgen bei Genmanipulationen könnten da natürlich wesentlich gefährlicher sein, deshalb ist eine andere Haltung als die meinige durchaus nachzuvollziehen. Ich sollte mich in meiner Diskussionskultur einfach mal mäßigen.

Tipp für heute: Aus Kochschinken eine Mauer bauen.

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